Himmelwärts : Roman

Klar, Elisabeth, 2020
Stadtbücherei Korneuburg
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Medienart Buch
ISBN 978-3-7017-1679-1
Verfasser Klar, Elisabeth Wikipedia
Systematik DR - Belletristik
Interessenskreis Roman
Schlagworte Außenseiter, Utopie, Österreichische Literatur, Dragqueen
Verlag Residenz-Verl.
Ort Salzburg ; Wien
Jahr 2020
Umfang 159 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Elisabeth Klar
Annotation Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html);
Autor: Eva Unterhuber;
Zwei junge Frauen im Kampf gegen den Lebensfeind Angst. (DR)
Erika und Judith sind Freundinnen, zwei intelligente junge Frauen mit guter Ausbildung, promovierte Bioakustikerin die eine, diplomierte Musikwissenschaftlerin die andere. Alle Wege scheinen ihnen offenzustehen, doch der äußere Schein entspricht hier ganz und gar nicht dem inneren Sein. Denn wenn Erika Walgesängen nachspürt, lange, tiefe Tauchgänge absolviert, sich beim Aikido verausgabt und schließlich den Entschluss fasst, auf einer Forschungsstation in der Antarktis der Polarnacht zu trotzen, dann steht dahinter nur eine einzige Motivation: Angst. Angst vor den sie überwältigenden Anforderungen des Lebens, denen sie nichts entgegensetzen zu können glaubt. Eine Angst, an der sie niemanden teilhaben lassen kann und die sie doch in einer anderen Person deutlich wiedererkennt, in Judith, die sich dieser lähmenden Macht auf ganz andere Weise stellt. Sie wählt nicht wie Erika wechselweise Kampf und Flucht, sondern ein vollständiges rückhaltloses Eintauchen in die Angst um den Preis ihrer geistigen Gesundheit, die ihr immer mehr abhanden zu kommen scheint. Ist dies etwa der Ausweg, das Heilmittel, der erlösende Gegenzauber?
Elisabeth Klar lässt es die LeserInnen selbst herausfinden in ihrem faszinierend bilderreichen und anspruchsvollen Roman über die komplexe und widersprüchliche Innenwelt zweier moderner junger Frauen, deren größte Herausforderung im Leben einzig und allein eines ist: das Leben selbst.

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Quelle: Literatur und Kritik;
Autor: Evelyn Polt-Heinzl;
Die Kunst des Abtauchens
Elisabeth Klars Roman »Wasser atmen«
Mit ihrem Debütroman »Wie im Wald« lieferte Elisabeth Klar 2014 eine beeindruckende Neufassung des leicht abgegriffenen Missbrauchsthemas. Ging es damals um zwei Stiefschwestern, sind es im neuen Roman »Wasser atmen« zwei junge Wissenschaftlerinnen, in beiden Fällen aber ist die Rollenverteilung stark/schwach nur scheinbar eindeutig.
Etwa in der Mitte des neuen Buches erzählt die Meeresbiologin und Bioakustikerin Erika Wawracek von einem Erlebnis in einer Gletscherhöhle. Gefiltert über die Kopfhörer hörte sie das Tropfen des Wassers im Inneren des Gletschers und dann das Krachen des Eises bis sie den Riss über sich wahrnahm und panisch aus der Höhle lief. Hört man nur lange genug hin, so könnte man das Thema des Romans formulieren, findet man immer die Sollbruchstelle im Gletscher wie in den Leben der Menschen und zwar aller Menschen.
Das sieht für Judith Lackner zunächst nicht so aus. Sie kommt als Diplomandin der Musikwissenschaft zur Frau Professor Wawracek, um sie über Bioakustik zu interviewen. Eine anerkannte Wissenschaftlerin von internationalem Ruf und eine säumige Studentin, die schon viel zu lange mit ihrer Abschlussarbeit kämpft. Doch das ist nur die Außensicht, was Judith irgendwie doch ahnt. So könnte man zumindest ihr Interesse für eine in Erikas Wohnung stehende Kiste mit aufgebrochener Rückenwand interpretieren.
Erika ihrerseits scheint eine Verwandte ihrer Namensvetterin Erika Kohut in Elfriede Jelineks »Klavierspielerin« zu sein. Sie ist eine getriebene Perfektionistin mit einer Vorliebe für risikoreiche Freizeitbeschäftigungen wie Tiefseetauchen oder Aikido. Dieser Kampfsport bleibt für sie auch nach Jahren mit einem hohen Angstfaktor belegt und gerade deshalb gibt sie das Training nicht auf. Das Wasser hingegen ist ihr Element, auch wenn sie bei Tauchgängen schon mal in Versuchung kommt, das Mundstück zu entfernen und »Wasser zu atmen«.
Mit Erikas Lebensängsten und ihrer Neigung zu radikalen Gegenstrategien hat es auch zu tun, dass sie sich für ein Jahr in die unterirdische Beobachtungsstation Neumayer (im Buch Neuberger) II in der Antarktis verpflichtet. Eigentlich eine fatale Entscheidung, vor allem, was die unausweichliche Nähe zu den KollegInnen betrifft, mit denen sie ein Jahr lang unentrinnbar zusammengesperrt sein wird.
Das spielt dann überraschenderweise kaum eine Rolle, obwohl Erikas größtes Problem vielleicht ihre Unfähigkeit zu menschlicher Nähe ist. Du baust Mauern um Dich, sagt Cécil, ihr Lebensfreund aber nicht Lebenspartner immer wieder, aber, so Erika, »ich schmücke sie schön. So sieht man sie kaum.« Cécil umgibt sie mit seiner Fürsorge, ist selbst aber ebenso unfähig für eine wirkliche Partnerschaft. Dabei ist er ein überaus umgänglicher Mensch, »ein Tiefenmesser für alle Menschen, und alle lassen sie ihn ein«.
Ganz anders die forsche Karo, die theoretisch immer weiß, wo es lang geht, und mit praktischem Rat stets zur Hand ist, aber wo Erika Mauern hat, hat sie »Elektrozäune«. »Das ist eben Karo«, lautet die Formel der beiden andern dafür, was freilich nichts erklärt, sondern nur heißt, »ich gehe lieber einen Schritt zurück? Feiglinge sind sie letztlich allesamt«. Das wird Erika klar, als das eingespielte Gleichgewicht des Trios durch Judiths Auftauchen etwas durcheinander gerät. »Du siehst mich zu gut in letzter Zeit, siehst alle Risse, die Tropfen, die aus ihnen treten«, denkt Judith,
als ihre Beziehung zu Erika dabei ist, die »gesunde Distanz« zu verlieren.
Judith ist die einzige, die für die Bewältigung ihrer Lebensängste eine deutlich pathogene Verhaltensweise ausformt. Auch ihr Leben steht im Zeichen des Wassers, und zwar traumatisch grundiert: der kleine Ort ihrer Kindheit wurde durch den Bau eines Staudamms geflutet. Nun, da sie das Studium doch endlich abgeschlossen hat, fällt Judith erst recht in ein tiefes Loch und räumt der Stimme in ihrem Kopf immer breiteren Raum ein. Es beginnt mit Zwangshandlungen und Fantasien, die alle mit Wasser und Schlamm zu tun haben, und endet mit einer allerdings reversiblen Selbstverstümmelung. Eines Tages beschließt sie, dass sie ihre linke Hand nicht mehr öffnen darf und hält sie seither krampfhaft zur Faust geschlossen.
Das hat manchen Vorteil. Mit diesem kleinen Defekt ist es legitim, dass sie das Klarinettenspiel aufgibt, dass sie einen schlecht bezahlten Hilfsjob annimmt, und dass man von ihr als Wissenschaftlerin nichts mehr zu erwarten hat. »Welche Frage war die falsche?«, denkt Erika, als Judiths eigenwilliges Verhalten nicht mehr zu übersehen ist. Nüchtern und direkt fällt hingegen Karos Reaktion aus, die Judiths »Leiden« als Akt des Widerstands bzw. der Verweigerung interpretiert. »Weil du der Gesellschaft deinen Nutzen mutwillig entziehst. Die Investition, die die Gesellschaft in dich gemacht hat, immerhin bis hin zum akademischen Grad, geht nicht auf. Ein ebenso brutales wie notwendiges Nein. Gewalttätig gegen dich. Brutal gegen den Rest.«
Das sind gleichsam die Zutaten, aus denen Elisabeth Klar eine Systemanalyse bastelt, über die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, sich in einer lebensfeindlichen Realität voller Leistungsdruck, Beziehungsängsten und drohenden Umweltkatastrophen eine Beheimatung zu erarbeiten. Letztlich ist auch Erikas Abtauchen in der Forschungsstation am Südpol eine Flucht, »den eigentlichen Ballast lässt sie in Wien zurück: ihre Waschmaschine, die zu reparieren ist, der Vertrag mit der Universität, der vielleicht nicht verlängert wird. Die Frage, was sie am Abend kochen soll. Die ersten Klimaflüchtlinge Sogar Judiths Wahnsinn ist Erika in Wahrheit zu viel.«
Was »Wasser atmen« zu einer spannenden Lektüre macht, sind aber vor allem die Metaphernketten, entlang derer sich die Handlung aufspannt. Eine kommt vom Element Wasser her, eine von den fragwürdigen Lehrsätzen d 9be es japanischen Kampfsports, eine andere von der Geschichtetheit der Erd- bzw. Eismassen. Was in diesem Buch alles mit dem Verb sich (zusammen-)falten in Verbindung gebracht wird, ist erstaunlich und wirkt (fast) nie aufgesetzt. Ganz besonders aber ist »Wasser atmen« ein Buch über das Hören. Die beiden zentralen Frauenfiguren sind von ihren Professionen her darauf trainiert, genau hinzuhören, Geräusche herauszufiltern und zu benennen. Dabei geht es keineswegs nur um kosmische Geräuschphänomene oder die maritime Lärmverschmutzung Elisabeth Klar versteht den »Lautraum« der unterschiedlichsten Dinge und Tätigkeiten zu beschreiben, egal ob jemand ein Joghurt löffelt oder Judith durch die leeren Gänge des Instituts marschiert und den Kopierer mit Papier befüllt.
Bemerkung Katalogisat importiert von: Rezensionen online open (inkl. Stadtbib. Salzburg)
Exemplare
Ex.nr. Standort
7438 DR, Kla

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