Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte

Zipfel, Dita, 2019
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Stadtbücherei Korneuburg
Verfügbar Ja (1) Titel ist in dieser Bibliothek verfügbar
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Medienart Buch
ISBN 978-3-446-26444-1
Verfasser Zipfel, Dita Wikipedia
Systematik JU - Jugendbücher ab 10 Jahren
Schlagworte Pubertät, Kochbuch, Patchworkfamilie, Liebestrank
Verlag Hanser
Ort München
Jahr 2019
Umfang 192 S.
Altersbeschränkung keine
Sprache deutsch
Verfasserangabe Dita Zipfel. Illustriert von Rán Flygenring
Annotation Quelle: 1000 und 1 Buch (http://www.1001buch.at/);
Autor: Isabella Stelzhammer;
Wer oder was ist normal? Wer bestimmt das, wer zieht wo die Grenzen? Was passiert mit Menschen, die sich außerhalb dieser Grenzen bewegen? Werden sie gemobbt, eingesperrt, ausgestoßen? Mit welchen Argumenten? Ein Buch, das solche Fragen verhandelt, könnte schwer sein, sogar deprimierend. Muss aber nicht, das beweist Dita Zipfel, die in ihrem Erstling dieserart Fragen mit einer irrsinnigen (sic!) Lässigkeit angeht. Mit einem scharfen Blick für Absurditäten und Willkürlichkeiten der Gesellschaft und kleine und große Ungerechtigkeiten. Mit Klugheit und einer großen Portion Phantasie und schrägem Witz.
Lucie, eben 13 geworden, hätte eigentlich genug damit zu tun, die aktuellen Veränderungen ihres Körpers (Achselhaare!) zu beobachten. Doch ihre Mutter hat sich von ihrer Partnerin Bernie getrennt und den Michi angeschleppt, der alle bis auf Mutter mit seinem esoterischen Geschwafel und seiner klebrigen Aufdringlichkeit nervt. Außerdem bezieht er Lucies Zimmer und die muss wieder eines mit ihrem 11-jährigen Bruder Janni(s) teilen. Das ist nicht auszuhalten. Weshalb Lucie den Plan fasst, genug Geld zu verdienen, um nach Berlin abzuhauen, zu Bernie, dem Leuchtturm in Lucies ethischem Kosmos, der lebenslustigen, streitbaren Feministin, die schon mal unten ohne frühstückt um ihren Po zu belüften. Und die Jannis Lehrerinnen den Marsch bläst, weil er in seinem Meerjungfrauenkostüm keine Chance auf einen Preis beim Faschingsfest hat, weil Jungs nur in der Kategorie Pirat nominiert werden.
Die Absicht, Geld zu verdienen, führt Lucie zu Herrn Klinge, den zweiten Leuchtturm. Naja, eher: Boje. So unfassbar entschlüpft nämlich diese geheimnisvolle Figur jeder Bestimmung. Ist Klinge, der Lucie unter strenger Geheimhaltungspflicht mysteriöse Kochrezepte diktiert und überall Verfolger wittert, total verrückt oder nur paranoid? Völlig gaga in seinen Verkleidungen? Seinem Spleen, in sämtlichen Gemüsesorten Körperteile von Fabelwesen zu erkennen (Ghulaugen statt Erbsen, Feenhirne statt Himbeeren, )? Oder ist er ein verdammt gut getarnter weiser Alter? Eine Art misanthroper Dumbledore?
Lucie, altersgemäß angemessen zwischen kindlicher Offenheit und erwachsener Reflektiertheit schwankend geht jedenfalls mit derselben staunenden Ernsthaftigkeit auf ihn zu, mit der sie alle Menschen in ihrer Umgebung betrachtet: Große Faszination für Liebe > Umgang mit Mitmenschen hingegen völlig lieblos > steht übertrieben auf Tomaten > SCHWIERIGE KINDHEIT? analysiert sie in ihrem anthropologischen Forscherinnen-Notizheft.
Lucies Sprache hat Ecken und Kanten, nimmt sich kein Blatt vor den Mund (Der Michi überzieht alles mit einer Schicht Liebe und macht [damit] Gold zu Scheisse), lotet aber auch feine Nuancen aus (Beileid. Ist es das, was man braucht, wenn man sowieso schon leidet?). Das Spiel mit Worten und Begriffen verfeinert nicht nur die Kochrezepte (Ghulacamole), es macht auch vor Genitalien nicht halt: Vulva erinnert mich an eine Mischung aus Lava und Vulkan.
Die wilden Illustrationen und das Lettering von Ràn Flygenring (toll auch schon in Finn-Ole Heinrichs Die Reise zum Mittelpunkt der Erde) mal comicartig, mal wie mit Pastellkreide gemalt verleihen dem Text zusätzlichen Schwung und Kraft. In expressivem Schwarz, Drachenherzrot und Weiß wirken sie oft wie hingekritzelt und roh; und sind doch klug durchdacht und hintersinnig. Und manchmal gruselig. So wie die Tatsache, dass ein Großteil der Menschheit immer noch daran glaubt, dass ein Geist, der aussieht wie ein dünner bekiffter Opa im Nachthemd, die ganze Welt gemacht hat. Doch wenn man bedenkt, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.

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Quelle: LHW.Lesen.Hören.Wissen (http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/bibliotheken/320.asp);
Autor: Annamaria Zelger;
Lucie Schmurrer fühlt sich von der ganzen Welt missverstanden. Mit ihren fast 13 Jahren beginnt sie die Aktionen der Erwachsenen kritisch zu begutachten. Ihre Mutter sucht sich immer die falschen Partner, ihr kleiner Bruder Janni baut nur mehr Mist und auch in der Schule gehört Lucie nicht gerade zu den angesagten Kids. Deshalb beschließt sie, eine Arbeit als Hundesitterin anzunehmen, um das Geld für eine Fahrkarte nach Berlin zusammenzukriegen. Dort lebt nämlich Bernie, ehemalige Partnerin ihrer Mutter und die einzige Person auf der Welt, die wirklich Verständnis für Lucie zeigt. Die Arbeit bietet allerdings der durchgeknallte Herr Klinge an, der gar keinen Hund besitzt, sondern einen Ghostwriter für sein Kochbuch braucht. Er diktiert ihr bei jedem Treffen Rezepte, die angeblich Zauberkraft haben sollen. Obwohl Lucie zunächst nicht daran glaubt, kocht sie den Liebestrank und probiert ihn an Marvin, einem Mitschüler, der ihr gefällt, aus. Je öfter sie zum alten Herrn Klinge geht, desto klarer werden ihr Eigenheiten und Besonderheiten menschlichen Verhaltens, aber auch die Überzeugung, dass es im Leben vielleicht doch was Magisches gibt.
Der Text stellt reelle Momente des täglichen Lebens dar, die von magischen Momenten in Klinges Wohnung unterbrochen werden. Aufgelockert wird das Ganze durch bunte Seiten mit Rezepten und kleinen Vignetten. Lässt sich der Leser auf diese ungewöhnliche Geschichte ein, dann kann er eine ziemlich entschlossene Hauptfigur auf dem Weg zu einer einschneidenden Erfahrung begleiten.
Ab 13 J.

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Quelle: STUBE (http://www.stube.at/);
Seitenweise Kinderliteratur 2019
Im Leben der 13-jährigen Lucie ist nichts normal. Der neue Freund der Mutter ist ein dauergrinsender Hippie; und seit neuestem arbeitet Lucie bei dem durchgedrehten Herrn Klinge als Ghostwriterin für ein bizarres Kochbuch, in dem es um Drachenherzen und Nixenhirne geht. Aber was macht man nicht alles, wenn man Geld braucht, um nach Berlin abzuhauen? Sowohl die Textpassagen, als auch die pfiffigen, auf Rot, Weiß und Schwarz reduzierten Illustrationen sind chaotisch und sprunghaft arrangiert, sodass sich Lucies Leben in beiden widerspiegelt. Reflexionen und Listen im Wechsel mit ausgeflippten und hochdramatischen Situationen fügen sich zu einem dynamischen Ganzen, das letztendlich auf die Frage abzielt: Was ist eigentlich normal?
*STUBE*
Bemerkung Katalogisat importiert von: Rezensionen online open (inkl. Stadtbib. Salzburg)
Exemplare
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5418 JU, Zip

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