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Der in den Systemzwängen der modernen Welt befangene Mensch sollte ausscheren und sich eigene Spielräume zu verschaffen suchen. "Nicht Wutbürger, sondern Gärtner Vom Systemtrottel zum Wutbürger, dieser Titel verspricht viel. Dass sich dahinter keine politische Analyse des österreichischen Istzustands verbirgt, sondern ein arg esoterisch angehauchter Lebensratgeber für Sinnsuchende, merkt der Leser spätestens nach dem Prolog. Die Autoren Eugen-Maria Schulak und Rahim Taghizadegan leiten das private Institut für Wertewirtschaft in Wien, das zumindest laut Homepage den Anspruch hat, philosophische Handreichungen zur Bewältigung des Alltags zu liefern. Die Angebotspalette reicht von Coachings und der Organisation von Incentives bis hin zur Unterstützung bei Vorträgen und wissenschaftlichen Arbeiten. Taghizadegan ist außerdem ein Vorkämpfer für den häuslichen Unterricht. In ihrem Buch arbeiten die Autoren mit jenem bewährten Aha-Effekt, auf den Erlöserideologien genauso gerne zurückgreifen wie Instantcoaches, die nur ein paar Stunden Zeit haben, ihre Kunden umzudrehen. Zuerst schildern sie den grausamen Alltag von Systemtrotteln, um nach einer kurzen Phase der Besinnung dem derart zur Einsicht Gelangten aufzuzeigen, wie man ihm entkommt. Entgegen dem Titel kommen sie zum Schluss: Statt zum Wutbürger soll man zum Gärtner werden, also Ordnung, Ruhe und das kleine Glück in seinem eigenen Bereich finden. Fern von Schlagzeilen, fern der Politik, fern des Konsums. Denn wer sich engagiert, wird nur zu einem weiteren Rädchen im System. Wem das zu wenig ist, dem bleiben noch die archetypischen Rollen des Kriegers oder Gelehrten in der Welt jenseits des Gartenzauns. Das mag für moderne, ernüchterte Ohren alles furchtbar schwülstig und überlebensgroß klingen, meinen die Autoren am Ende. Ja, das tut es." (Barbaba Tóth in Falter : Wien 37/2011 vom 14.9.2011) |