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Ein böses Kind? Ein schlechter Lehrer? Oder ein paranoider Leser? (DR) Ein Mann bricht wohlausgerüstet zu einer Klettertour ins winterliche Hochgebirge auf. Ein Mädchen lebt in Wien seinen wenig spektakulären Alltag zwischen Schule und Zuhause, geht einkaufen und füttert seinen Kater. Je ein Kapitel handelt abwechselnd von ihm und von ihr. Was haben die beiden miteinander zu tun? Der Leser sieht sich genötigt, in die Rolle eines Indizien sammelnden Detektivs zu schlüpfen. Bedenkliche Einzelheiten lassen vermuten, daß die zwei auf den ersten Blick so unscheinbaren Protagonisten in merkwürdige Geschichten verwickelt sind. Wozu schleppt der Mann ein Gewehr auf den Berg? Wozu kauft die Dreizehnjährige mitten im Winter Insektenvertilgungsmittel? Was ist Phantasie? Was Realität? Fragen über Fragen. Allmählich lassen sich einige der Puzzleteile zusammenfügen: Der Mann ist Deutschlehrer, und das Mädchen ist - oder war? - seine Schülerin. Daß der Autor sein Buch, wie es in der Widmung heißt, "für die bösen Kinder und die schlechten Lehrer" geschrieben hat, wirkt nicht unbedingt beruhigend. Hochgatterer versteht es, mittels Motivwiederholungen ein Netz aus Verweisen zu knüpfen. Die raffiniert konstruierte Geschichte nimmt den Leser gefangen, die Spannung steigt bis zuletzt. Am Schluss sind zwar nicht alle Rätsel gelöst, doch ein Verdacht hat sich bestätigt: Paulus Hochgatterer zählt zu den besten Erzählern, die derzeit in Österreich leben. - Sehr empfehlenswert. *bn* Renate Langer |